Beaver Lab erkundet das Zusammenwirken von Natur und Kultur und unseren Umgang mit Wildtieren am Beispiel der im 19. Jahrhundert ausgerotteten und nun wieder zurückkehrenden Biber. Während diese Schlüsselspezies seit 15 Millionen Jahren unsere Landschaften und Ökosysteme prägt, fehlt uns Menschen nun seit Generationen jeglicher Bezug zu diesen erstaunlichen Tieren – Mythen und Falschinformationen dominieren aktuelle Debatten. Neben wissenschaftlichen Fakten oder Historischem wird insbesondere auf das Leben von urbanen Biberfamilien in Linz Bezug genommen, die Rolle von Tieren in der Kunst (oder als Kunstschaffende) beleuchtet und Utopien der Koexistenz bis Konvivialität im Hinblick auf Klimakrise und Artensterben erarbeitet. Weiters führt Beaver Lab Kartierungen sowie Low-Tech-Gewässerrevitalisierungen durch und erprobt minimalinvasive Konfliktpräventionsmaßnahmen, Beaver Dam Analogs und andere naturbasierte Lösungen.
Foto zur Verfügung gestellt von Leopold Kanzler 



Zitate
– Sollten Tiere deswegen besser in ihrer Fremdheit belassen werden, weil für Tiere zu sprechen eine weitere, paternalistische Form, den menschlichen Exzeptionalismus bestätigen, ist? Oder birgt Storytelling für, mit und von Tieren Auswege aus einer anthropozentrischen Weltsicht, die sowohl für Menschen als auch für Tiere wertvoll und wichtig sein können? Gerade das Erzählen von Tieren und ihren individuellen Geschichten wird oft als Voraussetzung für das Verständnis und eine daraus resultierende Empathie betrachtet.
(Jessica Ullrich & Alexandra Böhm, Editorial, Tierstudien 15/2019)


– Teilhabe heißt auch Teilgabe, wir werden also etwas aufgeben müssen, zB. die Idee einer restlos kontrollierbaren und managebaren Umwelt. Alle Lebensformen, die den Plaeten bewohnen, beeinflussen einander auf komplexe Weise, die weder ganz verstanden noch kontrollierbar ist. Dies bedeutet auch, „unabsichtliche Landschaften” als Begegnungen mit Natur willkommen zu heißen, Landschaften, die nicht absichtsvoll geschaffen wurden. Solche Breschen der Unordnung sind Lebensräume für unerwartete Formen der Sozialität.
(Fahim Amir, Ein Manifest für Solidarität von Tieren und Menschen im Stadtraum, Tierstudien 22/2022)


– Wir übernutzen die Ressourcen unserer Welt, das ist sattsam bekannt. Wenn wir weiterleben wollen, müssen wir anders leben. Aber wie können wir anders leben? Was braucht es dazu? Sicher vieles, aber auch dies: Wir müssen uns als Teil der Welt und ihrer Natur begreifen, nicht als ihr Gegenüber. Wir müssen unsere Verwandtschaft mit anderer Natur verstehen und mitdenken, dass wir auf sie angewiesen sind. Wir müssen von anderen Tieren lernen. Wir müssen anfangen, andere Geschichten zu erzählen.
(Susanne Opfermann, Berührungen / Einleitung, Begegnungen mit (andern) Tieren, 2022)


– And who ist the first back after a fire to start the regeneration? Amikwag.
(Amik means beaver in the Algonquin language.)

Amik is a world builder.
Amik is the one that brings the water.
Amik is the one that brings forth more life.
Amik is the one that works continuously with water and land and animal and plant nations and consent and diplomacy to create worlds, to create sharedworlds.
(Leanne Betasamosake Simpson, A Short History of the Blockade, Giant Beavers, Diplomacy and Regeneration in Nishnaabewin, 2021)


– Manchmal hockte ich vor dem Ofen auf dem Boden, und dann kam dieses gute Tier heran, legte den Kopf in meinen Schoß, sah mir ins Gesicht und stieß langgezogene, in wechselnder Tonlage gehaltene Laute aus, die man fast für bizarre Singversuche halten konnte … Die abendliche Singstunde wurde bald zur Gewohnheit und die nicht unmelodischen Töne zählen zu den seltsamsten Tierlauten, die mir im Leben vorgekommen sind.
(Grey Owl, Pilgrims of the wild, 1937)